Presseclub Regensburg | Eberhard-Woll-Preis
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Eberhard-Woll-Preis

Anerkennung für guten Journalismus

Täglich verfassen Journalisten und Publizisten viele Zeilen zu Themen, die den ostbayerischen Raum betreffen. Meldungen, Reportagen, Kommentare, Heiteres, Kritisches, Trauriges, Hintergründe – die Art der Darstellung ist ebenso vielfältig wie die Medien, in denen die Beiträge veröffentlicht werden.

Eine Anerkennung der Leistung erfahren die Autoren selten, Kritik oft und meistens unmittelbar. Der Eberhard-Woll-Preis, den der PresseClub Regensburg 1999 erstmals ausgeschrieben hat, würdigt »herausragende journalistische und publizistische Leistungen zu Themen aus dem ostbayerischen Raum«. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert und ist seit 1999 achtmal vergeben worden.

Der am 22. Juni 1940 geborene Eberhard Woll, Lokalchef bei der MittelbayerischenZeitung, machte den PresseClub zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Regensburg. Die letzte Preisübergabe erfolgt am 27. Oktober 2017 im Rahmen einer Feierlichkeit an die Regensburger Journalistin Isolde Stöcker-Gietl.

Preisträgerin 2017: Isolde Stöcker-Gietl

Die Geschichte um den Investor Philipp Schober, der sich die Mehrheit an der SSV Jahn Regensburg GmbH und Co. KGaA sichern wollte, hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.Isolde Stöcker-Gietl lieferte eine Folge von Artikeln, die mit dem Beitrag “Jahn-Investor baut ohne Geld große Luftschlösser” ihren Anfang nahm.

Die Arbeit der Preisträgerin war von einer Jury mit Journalisten aus ganz Ostbayern unter mehr als 40 Einsendungen aus TV, Rundfunk, Print- und Onlinemedien ausgewählt worden. “Isolde Stöcker-Gietl trotzte einem System von Fake-News, das Schober um sich errichtet hatte”, heißt es in der Begründung der Juroren. “Sie hat auf die wahre Figur den Scheinwerfer gerichtet.” Die Journalistin brachte damit eine Entwicklung in Gang, die letztendlich dazu führte, dass die Schober-Anteile vom ursprünglichen Investor zurückgekauft wurden und mittlerweile wieder in den Händen des SSV Jahn Regensburg sind.Ihre Recherche geschah unter großem Druck von Seiten Schobers und seiner Anwälte. “Sie hat dem Druck widerstanden und damit auch die Pressefreiheit verteidigt.” Damit sei sie auch Vorbild für andere Journalisten, in einer Zeit, in der die Recherche von höchster Bedeutung bleibt.

Stöcker-Gietl arbeitet seit 1998 bei der Mittelbayerischen Zeitung. Die 47-Jährige ist als Reporterin für überregionale Themen tätig. Der Woll-Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird von der BMW-Group Werk Regensburg unterstützt. Laudatorin ist die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm.Mit dem Eberhard-Woll-Preis würdigt der PresseClub Regensburg seit 1999 in der Regel alle zwei Jahre herausragende Veröffentlichungen auf den Gebieten des Journalismus mit Schwerpunkt auf ostbayerischen Themen. Die Auszeichnung ist nach dem Gründungsmitglied und langjährigen Vorsitzenden Eberhard Woll benannt, der 1998 verstorben ist.

Eberhard Woll Preis

Bisherige Preisträger

2017

Isolde Stöcker-Gietl, MZ Regensburg

Die Geschichte um den Investor Philipp Schober, der sich die Mehrheit an der SSV Jahn Regensburg GmbH und Co. KGaA sichern wollte, hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Isolde Stöcker-Gietl lieferte eine Folge von Artikeln, die mit dem Beitrag “Jahn-Investor baut ohne Geld große Luftschlösser” ihren Anfang nahm. “Isolde Stöcker-Gietl trotzte einem System von Fake-News, das Schober um sich errichtet hatte”, heißt es in der Begründung der Juroren. Die Journalistin brachte damit eine Entwicklung in Gang, die letztendlich dazu führte, dass die Schober-Anteile vom ursprünglichen Investor zurückgekauft wurden und mittlerweile wieder in den Händen des SSV Jahn Regensburg sind.

2014

Andreas Wenderoth, Berlin

Andreas Wenderoth überzeugte die Jury mit dem Feature „Wege der Hoffnung“, das das Spannungsverhältnis zwischen aus vielerlei Gründen überforderten Eltern sowie Jugend- und Sozialämtern beschreibt. Der 49-Jährige hatte dazu in Regensburg recherchiert. Sein Text erschien im Magazin der Süddeutschen Zeitung.<br /> „Der Beitrag von Andreas Wenderoth hält uns eindrucksvoll vor Augen, welch unschätzbare Arbeit etwa in Jugendämtern geleistet wird. Er lässt uns authentisch am Geschehen in den betroffenen Familien teilhaben. Und er macht ohne Effekthascherei deutlich, dass mitten unter uns Menschen leben, die ihre Kinder lieben und es trotzdem nicht schaffen, deren Wohl zu garantieren,“ würdigte Presse-Club-Vorsitzender Manfred Sauerer den Gewinnerbeitrag.

2011

Claudia Böken, Marianne Sperb, Josef Pöllmann und Thomas Rieke (MZ Regensburg)

Die Journalisten aus der Lokalredaktion Regensburg überzeugten die Jury mit einer überraschenden und facettenreichen Halbzeitbilanz zur Regensburger Stadtpolitik. „Das Besondere ist nicht das Thema an sich, sondern die Art der Berichterstattung”, so Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, der Vorsitzende des Regensburger Diözesankomitees und CSU-Landtagsabgeordneter, in seiner Laudatio. So stellt das Quartett Kommunalpolitikern nicht nur ein repräsentatives Zeugnis aus und bewertete Konsequenzen des Handelns der Mandatsträger für die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger. Die Jury beeindruckte der Einsatz unterschiedlichster journalistischer Formen ebenso wie die interaktive Einbindung der Leser in die Diskussion. Genutzt wurden dafür auch digitale Kanäle, etwa die sozialen Netzwerke.

2009

Volontärsjahrgänge 2007 bis 2009 (MZ Regensburg)

Die Serie „Was kostet das Glück” der Mittelbayerischen Zeitung wurde 2009 ausgezeichnet. Die Volontärsjahrgänge 2007 bis 2009 – insgesamt zwölf junge Journalisten – zeichnen sich für Konzept und Umsetzung der Artikelreihe verantwortlich. Mit Reportagen, Interviews und Kommentaren spürten sie den verschiedenen Facetten des Themas nach: von der Frage, ob Geld glücklich macht bis zum Alltag in Armut oder dem Glücksfaktor Kind.

2007

Ruth Stellmann, Bayerischer Rundfunk

Der Beitrag in der Reihe „Nahaufnahme“ heißt „Schlimmes Erwachen – der Regensburger CSU droht die Übernahme durch eine schwarz-braune Clique“. Da feierten gut 50 junge Menschen die Wahl von Thomas Fürst zum neuen Vorsitzenden des Regensburger CSU-Ortsverbandes Altstadt. Jenes Thomas Fürst, der diesem Ortsverband erst wenige Stunden vor der Abstimmung beigetreten war. Ein Mann, dem ebenso wie Teilen seiner Gefolgschaft eine rechtsradikale Einstellung nachgesagt wird. Ruth Stellmann stellt einerseits die Abscheu über all die Unverfrorenheit und teilweise Menschenverachtung dar, mit der Fürst und Kollegen agierten. Andrerseits verdeutlicht sie, dass Bürger von Anfang an genau hinzuschauen und beim geringsten Zweifel rechtsradikaler Gesinnung Konsequenzen ziehen müssen.

2005

Christine Krämer, Der Neue Tag

Das Schicksal des Lokführers Johann Grünwald und seines Heizers Georg Dietl, das die Weidener Journalistin Christine Krämer recherchiert und aufgeschrieben hat, gehört zu den Ergreifendsten in der Oberpfalz. Die beiden Männer opferten in den letzten Kriegstagen ihr Leben, um ihre Heimatstadt vor einer Katastrophe zu bewahren. Sie steuerten einen mit Sprengstoff beladenen Zug unter Angriffen von Jagdbombern vom Bahnhof an den Stadtrand. Der Zug wurde getroffen, explodierte wenig später. Mindestens 60 Menschen starben, doch ohne diesen Einsatz wären es noch viel mehr gewesen. Der Weidener Journalistin gelingt die Darstellung ohne Pathos. Sie hat bedacht, dass in den letzten Kriegstagen viele eben nicht von persönlichen Katastrophen, von Grausamkeiten und Verbrechen verschont worden sind.

2003

Christine Schröpf, Mittelbayerische Zeitung

Mit ihrer Serie „Der Fall Lorie“ hat Christine Schröpf bewiesen, dass Aktualität weniger mit starren Zeitbegriffen, sondern sehr viel mehr mit menschlichem Betroffensein zu tun hat. Der damals 80-jährige Henry Lorie – ein polnischstämmiger Jude, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in England ansiedelte – suchte 2002 nach seiner seit 60 Jahren vermissten Schwester. Unter dem Namen Maria Malinowska, der ihre jüdische Herkunft verschleiern sollte, hatte sie 1943 als Zwangsarbeiterin in der Nähe von Regensburg gelebt. Christine Schröpf war berührt von Henry Lories Konsequenz, die jahrzehntelang an einer Hoffnung festhielt. In den Folgen ihrer Serie ließ Christine Schröpf Zeitzeugen zu Wort kommen, berichtete über den Stand der „Ermittlungen“ und über die Reaktionen Henry Lories.

2001

Thomas Muggenthaler, Bayerischer Rundfunk

ür seine Dokumentation über Zwangsarbeit und Zwangsarbeiter in Bayern wurde der Rundfunkreporter Thomas Muggenthaler ausgezeichnet. Viele Zwangsarbeit, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Poen zurückgekehrt waren, wussten gar nicht, dass ihnen symbolische Schmerzensgeldsummen zuerkannt wurden, oder sie waren aus Alters- und Krankheitsgründen nicht mehr gewandt genug, ihre spät für Recht erkannten Ansprüche einzufordern. Muggenthaler spürte bei vielen Polenreisen diese ehemaligen Zwangsarbeiter auf, interviewte sie und wies sie auf die Zahlungsbereitschaft derer hin, die vor 56 Jahren vom Arbeitseinsatz der Freiheitsberaubten profitiert hatten.

1999

Helmut Wanner und Uwe Moosburger (MZ)

Die ersten Träger des Eberhard-Woll- Preises Helmut Wanner und Uwe Moosburger, beide Redakteure der Mittelbayerischen Zeitung, erhielten die Auszeichnung für ihr Buch „Schabbat Schalom“, das Geschichten und Bilder aus dem Alltag der Jüdischen Gemeinde in Regensburg zum Inhalt hat. In seiner Laudatio würdigte der damalige MZ-Chefredakteur Kurt Hofner in der preisgekrönten Arbeit die „unendliche Neugier, waches und genaues Hinschauen auf das, was ist und die Hinwendung zu den Menschen, die unerschöpflich Tag für Tag für den Stoff sorgen, aus dem Journalistenträume sind“. Hofner sah in dem Buch „keinen Beitrag zur Schlussstrich-Debatte, sondern eine leise Einladung, wieder miteinander leben zu lernen“.

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